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Feier des Agapemahls

Nazareth trägt

In unserer Gemeinschaft tragen viele dazu bei, dass fachlicher Austausch, kollegiale Begleitung, diakonische Reflexion, geistliche Stärkung, Gottesdienst und Gebet stattfinden.

Bei unseren Treffen entwickeln sich immer wieder neue Kontakte und Möglichkeiten gemeinschaftlichen Lebens.

 

  

Predigt zu Kor. 6, 4 und Mt 6, 33

Sonntag Rogate Zionskirche Bethel
141. Jahresfest Nazareth, Einsegnungs- und Aufnahmejubiläen

Liebe Jubilarinnen und Jubilare, liebe Festgemeinde!

Konfirmandensprüche

Als ich Gemeindepfarrerin war, habe ich meinen Konfirmanden die Konfirmationssprüche selbst ausgesucht. Kurz vor der Konfirmation habe ich mir einen Nachmittag Zeit genommen, mich mit einer Tasse Tee auf den Boden gesetzt und meine Sammlung von Bibelsprüchen rund um mich ausgebreitet. Nach zwei Jahren Unterricht habe ich mir jeden Einzelnen noch einmal vor Augen geführt und versucht, für sie oder ihn den passenden Spruch zu finden.

Passend, weil der Spruch eine besondere Eigenschaft bestärken oder vielleicht auch heraus kitzeln sollte. Der Spruch stellte einen Zusammenhang her zwischen dieser oder jener Gabe des jungen Menschen und der Verheißung Gottes. In seinem oder ihrem Leben sollte Gottes Verheißung erlebbar werden.

Oder der Spruch war passend, weil er das Leben dieses jungen Menschen in einen großen Horizont stellte, in dessen Licht sich das Leben entfalten möge.

Ich habe diese Sprüche nach bestem Wissen und Gewissen ausgesucht. Manchmal haben mich Konfirmierte noch darauf angesprochen, weil sie sich wiedergefunden hatten, oder auch weil sie sich gefragt hatten, wie ich denn auf so einen Spruch kommen konnte.

Einsegnungssprüche

Ihr, die ihr vor 50 Jahren eingesegnet wurdet, habt euch über euren Kursusspruch geärgert. In allem erweisen wir uns als Diener Gottes (2. Kor 6, 4). War das eine Dienstanweisung für einen Kursus, der – es war 1968 – zu aufmüpfig war? Sollte es eine Ermutigung sein für ein Leben als Diakone oder eine Drohung? Würde irgendwann einer kontrollieren, ob ihr euch auch wirklich in allem als Diener Gottes erweisen würdet?

Sich in allem als Diener Gottes erweisen

Der Spruch stammt aus dem 2. Korintherbrief. Paulus beschreibt seinen Auftrag als Apostel: Die Predigt des Evangelium von Jesus Christus. „So sind wir nun Botschafter an Christi statt … denn Gott ermahnt durch uns: Lasst euch versöhnen mit Gott", schreibt er einige Verse vorher. Das ist sein Amt.

Darin will er glaubwürdig sein. So ist er geduldig sein mit denen, die Dinge sagen wie: „Ach, der ist depressiv – Menschen, die an Gott glauben, sollten doch fröhlich sein!" Oder er begegnet denen freundlich, die sagen: „Bleib wir weg mit der Bibel!"

Paulus weiß, dass die Menschen sehr genau darauf schauen, ob das, was er sagt, auch in seinem Leben Wirklichkeit wird. Das ist eine Zumutung. Das macht Druck. Der Druck kommt von den Menschen, die bereit sind, sein Amt zu verlästern.

Von Gott erlebt er etwas ganz anderes. Wir haben es in der Lesung gehört. Er hat eine lebendige Zukunft auch als sterblicher Mensch. In noch so großer Traurigkeit kann er sich an Gottes Zuwendung freuen. Seine Armut macht ihm nichts aus, weil er sich reich fühlt. „Er hat nichts und doch hat er alles!", so formuliert er das.

So ist er Diener Gottes in aller Brüchigkeit. In seinen Worten und seinem Handeln wird das Evangelium von Jesus Christus erlebbar. „Jetzt ist der Tag des Heils!"

Beispiel (50´er): Manchmal – so hat einer aus dem Jubiläumsjahrgang 1968 es formuliert – manchmal war kein Geld da, um einen Klienten aufzunehmen. Wir haben es trotzdem getan, auch gegen den Beschluss der Leitung. Wir haben einfach diakonische Nischen gesucht!

Beispiel (25‘er): Eine ehemalige ehrenamtliche Mitarbeiterin schrieb mir einen Brief, in dem sie mich fragte, ob ich sie „verheiraten" könne. Sie schrieb, dass sie schon zu der Zeit, als sie noch im G-Haus war, sich immer gewünscht hat, dass ich sie eines Tages trauen solle. Es war wunderbar und mir wurde einmal mehr klar, dass Gott durch mich Menschen bewegen und berühren kann.

Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes

Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen (Mt 6, 33). 25 Jahre später. Aber der Spruch ist nicht weit entfernt von dem, was Paulus meinte.

Trachten heißt: aufmerksam sein, suchen, um zu finden, anstreben, verlangen, begehren, sich auf den Weg machen…

Trachten ist nicht eine Tätigkeit, es ist eine Lebenseinstellung, eine Haltung. Wer wirklich trachtet, für den lösen sich die Sorgen auf (wie bei den Vögeln unter dem Himmel und den Lilien auf dem Felde). Wenn die Arbeit (oder sagen wir: der Dienst) ein „Trachten nach dem Reiches Gottes" ist, dann macht sie Lust, auch wenn sie nicht immer Spaß macht. Dann ist es eine positive Herausforderung auch in zähen Rahmenbedingungen. Dann können wir uns um alles Mögliche kümmern, aber wir brauchen uns darum nicht zu sorgen. Dann sehen wir die Welt und die Menschen in ihr in einem anderen – in Gottes zukünftigem - Licht.

Beispiel (25‘er): Der junge Mann hat starke autistische Züge, spricht kein Wort, nimmt keinen Kontakt zu anderen Menschen auf, ist unvermittelt wütend und zerschlägt dann ggf. Gegenstände oder stürmt auf ruhige Menschen zu und zieht denen z. B. an den Haaren. Konnte ich es einrichten, bin ich so oft wie möglich mit ihm ins hauseigene Schwimmbad gegangen. Dort ließ er sich durch’s Wasser ziehen, schloss seine Augen und fing laut an zu lachen. Hatten wir dann Blickkontakt, strahlte er mich an. Dieser Mann, der sonst keinen Kontakt zuließ!

Beispiel (25‘er): Ich erlebe „Reich Gottes", wenn ich anfange nicht so oft perfekt zu sein. Wenn ich bei mir Fehler und Kritik zulasse. Wenn ich mir selbst verzeihe, Dinge liegen lasse und nicht sofort alles erledige. Wenn ich Zeit für meinen Gegenüber habe. Eine Arbeit mit Geistig-Behinderten Menschen bedeutet nicht, dass angestrebt wird, dass sie funktionieren, glänzen und einem Bild von einem perfekten und eingegliederten Menschen entsprechen. Es ist vielmehr so, dass ich ihnen hinterhergehe und nachspüre. Dieser Mensch führt mich dann und zeigt mir, dass alles gut ist, so wie es ist.

Sprüche: Horizont für das Leben

Sprüche, für Konfirmanden oder für Diakoninnen und Diakone bei der Einsegnung, sind wie ein Horizont, der sich aufspannt für das Leben und Arbeiten des Menschen. Eine Perspektive, die Leben und Arbeiten in ein besonderes Licht rückt: Das Licht des Dienstes am Evangelium, das Licht des Reiches Gottes. Wenn wir sie so wahrnehmen, können sie ihre eigene Wirkung entfalten, unabhängig von denen, die sie ausgesucht haben, und ihrer Intention.

Da müssen wir nichts beweisen, weil es sich erweisen wird. Da kann das Kleine ganz groß werden.

Aus der Gruppe der 25er Jubilare hat es jemand so beschrieben: Oft begegnet mir das Reich Gottes in winzigen und auch seltenen Augenblicken: eine schwierige Situation, die sich hat gut lösen lassen, ein Morgen oder ein Abend ohne Streit, wenn sich mein Kind, ohne wenn und aber, in meine Arme kuschelt und für einen Moment ruhig wird.

Amen.

Pastorin Jutta Beldermann (Diakonische Gemeinschaft Nazareth und Ev. Bildungsstätte für Diakonie und Gemeinde)

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