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In unserer Gemeinschaft tragen viele dazu bei, dass fachlicher Austausch, kollegiale Begleitung, diakonische Reflexion, geistliche Stärkung, Gottesdienst und Gebet stattfinden.
Bei unseren Treffen entwickeln sich immer wieder neue Kontakte und Möglichkeiten gemeinschaftlichen Lebens.

 

  

Geistlicher Impuls von Diakon Wolfgang Roos-Pfeiffer:

Was ist wichtig im Leben, ich meine wirklich wichtig?

Haus bauen, Baum pflanzen, Kinder zeugen? Freunde, Familie, gute Kontakte? Der Beruf, und immer wieder der Beruf, das diakonische Amt? Was ist wichtig, und wie bekomme ich eine Haltung zu all den schwierigen Fragen unserer Zeit?

Was ist das, was zählt? Und was ist das, was wirklich zählt für einen guten Christenmenschen? Was kann Bestand haben vor mir selbst, den Menschen und vor Gott?

Der Bibeltext, unter den wir diesem Gemeinschaftstag gestellt haben, gibt uns klare Hinweise.

„Herr, wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen?“

In diesem Text im Matthäusevangelium wird viermal wiederholt, was wichtig ist. Wichtig im Sinne Trennung von Gut und Böse, sogar im Sinne von Himmel und Hölle. Mehr Nachdruck geht wohl kaum:


Die Gerechten werden sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben, oder durstig und haben dir zu trinken gegeben? Wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen, oder nackt und haben dich gekleidet? Wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen?

Einer alten jüdischen Tradition folgend sind dies die sogenannten sieben Werke der Barmherzigkeit:

  • Hungrige speisen

  • Durstigen tränken

  • Fremde beherbergen

  • Nackte kleiden

  • Kranke pflegen

  • Gefangene besuchen

  • (in Klammern denken wir das siebte Werk, Tote bestatten, mit, das vor allem in der katholischen Tradition ergänzt wird).

Vom Weltengericht, so ist dieses 25. Kapitel bei Matthäus überschrieben. Es enthält Kernbotschaften dieses Evangeliums. Das was wirklich wichtig ist, die Mitte des der christlichen Botschaft, Auftrag und Ziel allen Handelns. Das ist derart wichtig, dass es sogleich unter die Überschrift vom Weltengericht gestellt wird. Es geht um Alles, ums Ganze! Wir können das durchaus bedrohlich lesen. Düstere Szenarien ziehen vor mir auf. Das ganze deutsche Mittelalter und besonders die damaligen Kirchen waren voll von bedrohlichen Bildern. Gott als Weltenrichter trennt die guten, gottesfürchtigen und entsprechend Handelnden von denen, die gegen Gebot und Gesetz verstoßen hatten. Die einen in den Himmel, die anderen in die Hölle.
Du weiß doch was Richtig und was falsch ist – also – selbst schuld, wenn Du versagst. Werkgerechtigkeit über allem und die Kirche als Mitentscheider darüber, wem welches Schicksal zugewiesen wird. Gruselig. Schrecklich. Und schrecklich, wie lange das Mittelalter gedauert hat und noch heute wirksam ist.

Wie gut, dass die Reformation auch hiermit Schluss gemacht hatte. Luther selbst sah sich besonders als junger Menschen gepeinigt von diesen Bedrohungen durch die Kirche. Von der Freiheit des Christenmenschen – ich atme auf!

Wenn ich Matthäus heute lese, dann ist mir die Bedrohlichkeit fremd, in die er den Auftrag zum richtigen Leben stellt. Ich glaube nicht an diesen Gott, der die Menschen teilt, nach Recht und Unrecht, nach Himmel und Hölle. Und eigentlich geht es nicht um die Bedrohung. Denn wenn wir ehrlich sind ist es doch so: kein Mensch kann sich auch je tatsächlich selbst rechtfertigen, weder vor Gott, noch vor den Menschen. Das geht nicht, zu bruchstückhaft bleibt das, was wir vollbringen. Bei allen guten Absichten. Einerseits.

Anderseits kann und soll sich niemand, auch das ist klar in diesem Text, kann und soll sich niemand herausreden, wenn es um die Unterstützung von Menschen geht – egal ob im persönlichen Nahbereich oder in der heute so komplexen Welt: niemand kann sich selbst aus der Pflicht nehmen.

Eigentlich geht es um Zweierlei: zum einen um die Klärung essen, wie wir Christen handeln sollen. Es ist ein klarer Auftrag, auch an uns heute in dieser Zeit. Unzweideutig. Also gehet hin und handelt so. Ja, wir wissen, was Recht ist und ja, wir leiden unendlich daran, dass diese Welt so ganz anders ist. Es gibt so viel himmelsschreiendes Unrecht. Und wir wissen auch, wir können uns nicht selbst freisprechen, selbst in das Unrecht dieser Welt verstrickt zu sein.
So viel ist aber mit Matthäus klar: die christliche Religion hat nichts mit Erbaulichkeit zu tun, sie fordert immer wieder neu ein klares und mutiges Bekenntnis und Handeln. Von Obergrenzen in der Aufnahme von Flüchtlingen spricht die Bibel nicht. Nur von offenen Armen und helfenden Händen. Das Volk Gottes war doch selbst ständig auf der Reise, auf der Flucht. Wir sind doch alle auf offene Arme angewiesen!
Mit und durch Jesus geht es um die um die Befreiung, die Freisprechung aus aller Unzulänglichkeit.

Der zweite Aspekt ist dieser: Dieser Text ist die letzte Rede im Matthäusevangeliums, die Jesus zugeschreiben wird. Im folgenden Kapitel beginnt die Passionsgeschichte Jesu, die unweigerlich seinen Tod zur Folge hat. Und eben auch die Auferstehung. Tod und Auferstehung sind die Wende auch in dieser Geschichte. Aus Bedrohlichkeit wird Vergebung. Aus Gefangenschaft wird Befreiung, aus Verstrickung wird Lösung.

Es bleibt aber dabei: „Es ist dir gesagt Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott“ (Micha 6, 8). Es ist dir auch gesagt, was falsch ist, Mensch, also, tu nicht so als wüsstest Du es nicht.

Es geht nicht um göttliche Gewaltphantasien und Drohungen sondern um das Aufdecken von Wahrheit und Ermöglichung von Gerechtigkeit im Leben jedes Menschen. Die Konfrontation müssen wir uns schon gefallen lassen. Es bleibt aber dabei – in die Ankündigung des Weltgerichtes mischt ich die Sache mit Jesus. Nicht als vorschnelle Entschuldung/Entschuldigung der Welt sondern als befreiende Botschaft mit Folgen: Der Befreiung folgt die In-die-Pflicht-Nahme.

Kein Ausweg, keine Ausrede. Du bist gefragt Mensch! Christen sind Menschen mit offenen Herzen und offenen Armen.

"In einer Gemeinschaft zu sein bedeutet mit Menschen in einem Netzwerk sicher verbunden zu sein."

Mareike R.


Nazareth-Leporello: » Was kann aus Nazareth Gutes kommen? Komm und sieh es! « - [pdf]-Datei öffnen

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