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In unserer Gemeinschaft tragen viele dazu bei, dass fachlicher Austausch, kollegiale Begleitung, diakonische Reflexion, geistliche Stärkung, Gottesdienst und Gebet stattfinden.
Bei unseren Treffen entwickeln sich immer wieder neue Kontakte und Möglichkeiten gemeinschaftlichen Lebens.

 

  

Predigttext von Pastorin Jutta Beldermann (Rogate)

Predigt Jer 31, 31-34 und Jer 4,3 (Rogate 21.5.2017)

Jer 4,3: Pflüget ein Neues und säet nicht unter die Dornen!

Jer 31, 31-34: 31 Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, 32 nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, ein Bund, den sie nicht gehalten haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR; 33 sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein. 34 Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den HERRN«, sondern sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen

 

Liebe Jubilarinnen und Jubilare, liebe Gemeinde!

Einleitung: Gesetz und Gehorsam

Gesetz und damit eng verbunden Gehorsam – das sind Begriffe, denen viele Menschen, ablehnend oder zumindest sehr skeptisch gegenüberstehen. Das ist nach den Erfahrungen der Kaiserzeit, des Nationalsozialismus und der 50er Jahre in Deutschland auch verständlich. „Unter den Talaren – Muff von 1000 Jahren“. Mit diesem Spruch haben sich 1967 Studentinnen und Studenten in Deutschland gegen überkommende Gesetze und blinden Gehorsam gewehrt.

 

1. Pflüget ein Neues!

1967 wurden hier in dieser Kirche junge Diakone eingesegnet, die – genau wie 1947 und 1957 - nach der alten Einsegnungsordnung Gehorsam geloben mussten: Gehorsam gegenüber dem Auftrag der Gemeinde Jesu und Gehorsam gegenüber der Leitung des Brüderhauses Nazareth.

Umso erstaunlicher, dass sie einen Einsegnungsspruch bekamen, der viel mehr nach Studentenbewegung klang, als das Gelübde. „Pflüget ein Neues!“.

1967 wurde immer klarer, dass das Feld der Diakonie umgepflügt werden musste. Die ersten Diakone wurden pädagogisch ausgebildet und sahen, dass sich der Umgang mit jungen Menschen in der Jugendhilfe ändern musste. Kritische Mitarbeiter forderten neue Ansätze in der Betreuung von Menschen mit Behinderungen. Junge Leute erwarteten freien Meinungsaustausch und Mitgestaltung. Fragen wurden gestellt, Hierarchien angezweifelt, echte Autorität und Professionalität gefordert.

Sie, die Sie heute ihr 50-jähriges und ihr 60-jähriges Jubiläum feiern, haben die Herausforderung des Umpflügens angenommen. Sie und ihre Ehefrauen haben mit großen Anstrengungen – im Gehorsam gegen Gott und ihren Auftrag und oft genug im Ungehorsam gegen die Leitung des Brüderhauses – Furchen gezogen und Neues gesät, in Freistatt, in Bielefeld und an vielen anderen Orten der Diakonie.

 

2. Gesetz – das wüsste ich aber!

25 Jahre später hatten sich Diakonie und Kirche längst darin geübt, Neues zu pflügen und Gesetze zu verändern, gerade 1992 tiegreifend und bis heute wirksam hier in Nazareth! Ausgerechnet da bekommen die Diakoninnen und Diakone bei ihrer Einsegnung den Vers vom Gesetz, das ihnen ins Herz gelegt wird.  

Thomas Roth:

Gesetz,  das wüsst‘ ich aber! Vor 25 Jahren habe ich mich an diesem Wort durchaus gerieben. Gesetze mussten hinterfragt werden und sich einfach etwas vorschreiben lassen, das ging schon mal gar nicht. Luthers „Freiheit eines Christenmenschen“ sollte schließlich gelebt werden.

 

3. Jeremia

1967 und 1992: zwei Einsegnungssprüche. Beide auf den ersten Blick total unterschiedlich! Und doch beide aus einem biblischen Buch.  

Jeremia beobachtete die Entwicklung des Volkes Israel sehr genau: ihr Verhältnis zu Gott und ihr Leben miteinander. Gott hatte seinem Volk Gesetze und Ordnungen für ein gutes Zusammenleben gegeben. Aber sie wurden nicht mehr beachtet. Und auch Gott selbst spielte als Orientierung keine große Rolle mehr.

Jeremia sah, dass buchstäblich die Existenz des Gottesvolkes davon abhängen würde, ob sie sich wieder an Gott orientieren würden. Nur eine völlige Neuorientierung konnte das Unheil abwenden. „Sät neu, aber sät nicht unter die alten Dornen! Nachbessern nützt nichts! Legt das Feld neu an! Pflügt es um, grabt die Dornen unter und erst dann streut den Samen aus! Sonst werden eure alten Gewohnheiten das Neue ersticken! Traut Euch!“

Den Teil des Jeremiabuches, in dem diese Gottesworte stehen, nennen Theologen nicht umsonst das Trostbüchlein: Gott traut den Menschen Veränderung zu, sein Wort ermutigt zum neu pflügen.

 

3.1 Gesetz und Freude

Interessanterweise scheint Gott aber ziemlich genau zu wissen, dass der Wille der Menschen zu einer so grundlegenden Umkehr nicht ausreicht. Das kennt er ja auch schon: Seinen Bund haben sie immer wieder gebrochen. Die Sintflut und die 10 Gebote haben nicht gereicht. Daher legt Gott jetzt selbst die Hand an den Pflug und gräbt um, und zwar die Herzen der Menschen!

Das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein.“

Das ist nicht als Drohung oder als Fremdbestimmung gedacht. Es ist doch aus dem Trostbüchlein! Ab jetzt will Gott selbst dafür sorgen, dass sein Heil im Leben der Menschen Raum bekommen kann. Aus der Forderung nach Gehorsam und Erfüllung der Gesetze macht er ein Geschenk. „Ich will es euch in euer Herz legen.“ Freiwillig sollt ihr meine Heils-Gesetze erfüllen können. Ihr sollt Freude daran haben, mich zu erkennen und euer Zusammenleben nach meinen Gesetzen zu gestalten.

Bernd Langhorst:

Ich verstehe den Text so, dass mir Gott seine Treue und Liebe zusagt, egal was passiert. Wie Eltern im besten Sinn zu ihrem Kind stehen - komme was da wolle. Der neue Bund Gottes mit uns Menschen.

Ich brauche diese Gewissheit: Privat, wenn es nicht so rund läuft - wenn ich Zuversicht brauche z. B. in der Sorge um meinen dement gewordenen Vater und der Frage, wie es mit ihm weiter geht oder in eigenen Krisenzeiten.

In meiner Arbeit geht es zudem immer wieder darum, Menschen zu vermitteln, wie sie mit ihrer Behinderung oder Erkrankung umgehen können. Inklusion und gesellschaftliche Teilhabe wertvoller interessanter Menschen, denen unser Gott ebenfalls sein Gesetz ins Herz geschrieben hat. 

Thomas Roth:

In meinem diakonischen Alltag begegnete mir Gottes Nähe und das Gefühl, sein Volk zu sein, auf alltägliche Art und Weise: In Unna in der offenen Tür des Kinder- und Jugendhauses Taubenschlag kam z.B. der 10jährige Michel zu mir und sagte: „Ich möchte mich taufen lassen und zwar hier in der Kinderkirche“. Mit sehr viel Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein nahm er alles für die Feier seiner Taufe in die Hand und überraschte damit sogar seine Mutter. Michel kam jeden Tag nach der Schule zu uns, er fühlte sich offensichtlich von uns auf- und angenommen. Er konnte sich mit unserer Art, von Gottes Liebe zu künden und sich und ihrer zu vergewissern, anfreunden.

 

3.2 Gesetz und Vergebung

Die Menschen hörten Jeremia, aber viele verstanden ihn nicht. Völlig unrealistisch! Wir müssen wirtschaftlich und politisch zurechtkommen. Gut, was wir tun, ist nicht immer ideal. Aber die Dinge haben sich eben so entwickelt. Sich von Gott sagen zu lassen, was richtig sein könnte, ok. Aber alles anders machen? Nein, das geht nicht und das wollen wir auch nicht!

Das mit dem Umpflügen und dem Gesetz im Herzen wird also nicht einfach werden. Weder Gott selbst noch Jeremia rechnen damit! Der Mensch ist frei und er ist Teil der Welt. Wir Menschen sind nicht vollkommen, wir machen Fehler, manchmal wider besseres Wissen, manchmal sogar gegen unser Wollen oder oft genug auch gegen unseren Glauben. Wir werden schuldig an anderen und an uns selbst.

Viele Brüdern und Schwestern, die vor 25, 50 oder 60 Jahren in der Diakonie angefangen haben, machen sich bis heute Gedanken darüber, wie viel sie falsch gemacht haben; dass sie nach heutigen Maßstäben den Menschen nicht gerecht wurden. Jede und jeder von uns hat vermutlich solche Punkte im Leben. Und sie tun weh. Manchmal jahrzehntelang.

Im Trostbüchlein des Jeremia geht Gott darum noch einen Schritt weiter: „Ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.“ Gerade Euch, die ihr das Gesetz Gottes treu umsetzen wollt und oft genug an den Voraussetzungen und Gesetzen des Menschseins scheitert, gilt die Vergebung Gottes. Das könnt ihr glauben! Wenn Jesus im Abendmahl vom „neuen Bund zur Vergebung der Sünden“ spricht, dann ruht seine Verheißung auf diesem gleichen göttlichen Fundament wie die Vergebung, von der Jeremia spricht.

 

3.3 Gesetz und Gemeinschaft

All das gilt aber nie nur für einen allein. Den Bund hat Gott mit dem Gottesvolk geschlossen. Gemeinsam sollen sie den Acker neu pflügen können und allen legt er sein Gesetz in Herz und Sinn.   

Thomas Roth:

Als Leitung hatte ich die Aufgabe eine bisher kirchliche Bildungseinrichtung in die Selbständigkeit als gGmbH zu überführen und dafür gravierende Veränderungen zu gestalten. Der Anspruch dies „diakonisch anständig“ für alle Beteiligten zu gestalten, brachte mir eine Vielzahl schlafloser Nächte ein. Abrupt endete mit einem Mal der Vertrag zwischen mir und meinem Arbeitgeber und hatte erhebliche Unsicherheiten für meine Familie und für mich zur Folge. Wo mag uns der Weg hinführen? Welche Entscheidung ist jetzt richtig? Viele Haken und Ösen. Oft dachte ich: Oh Gott, warum gestaltest Du unseren Weg, sinnvolle Entscheidungen zu treffen, immer so anspruchsvoll?

Geschwister unserer Gemeinschaft haben mir in dieser Phase weiter geholfen mit praktischen Hilfen, Beratungen am Telefon, durch Zuhören und Nachfragen. Als der Weg von meiner Familie und mir schließlich nach Bielefeld führte, haben uns viele Geschwister den Neuanfang erleichtert. „Schön dass ihr wieder da seid“ -  eigentlich war ich nach dem Oberseminar immer außerhalb, dachte ich verblüfft, aber als Gottes Volk sind wir noch anders verbunden.

Bernd Langhorst (Text von Renate Nottbrock):

Unsere Schwester Renate Nottbrock sagt: Nach der Anfangsbereitschaft, diese echt gute Nachricht weiterzusagen, hab ich mich auch tatsächlich wieder auf unseren Kursusspruch besonnen, der in meinem Arbeitszimmer steht: Es ist Gottes Angelegenheit. Ich muss nicht meinen Geschwistern sagen "erkenne den Herrn, sondern sie sollen mich alle erkennen, beide, klein und groß, spricht der Herr; Denn: "Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein." 

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.

Lied Da berühren sich Himmel und Erde oder 395, 1-3

"In einer Gemeinschaft zu sein bedeutet mit Menschen in einem Netzwerk sicher verbunden zu sein."

Mareike R.


Nazareth-Leporello: » Was kann aus Nazareth Gutes kommen? Komm und sieh es! « - [pdf]-Datei öffnen

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